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Was Unternehmen vom Spitzensport lernen können

Piening Personal | 26.09.2019

Ausländische Spieler in einem Fußballteam – das ist heute Normalität im Profisport. Doch wie funktioniert so ein internationales Team? Wie muss der Trainer mit seinen ausländischen Spielern kommunizieren? Einer, der es wissen muss, ist Uwe Neuhaus. Er hat auf seinen Trainerstationen in Dortmund, Essen, Berlin, Dresden und Bielefeld schon Spieler aus mehr als 20 Nationen trainiert.

Der Schweizer Trainer Christian Gross spricht vier Sprachen, um mit seinen Spielern zu kommunizieren. Wie viele Sprachen sprechen Sie denn, Herr Neuhaus?
Christian Gross ist da als Schweizer natürlich im Vorteil. Ich beherrsche meine deutsche Muttersprache und spreche Englisch so gut, dass ich damit die täglichen Anforderungen in meinem Beruf erfüllen kann.
 

Sprache ist also wichtig für einen Fußballtrainer?
Sie ist elementar wichtig, weil ich nur über die Sprache die Menschen erreiche. Wenn ich das nicht tue, kann ich die Spieler nicht führen, nicht begeistern, nicht anleiten und mit ihnen auch keine Probleme lösen.
 

Wie sprechen Sie mit ausländischen Spielern?
Wenn sie Deutsch sprechen, spreche ich mit ihnen wie mit den deutschen Spielern. Dennoch muss ich immer den kulturellen Hintergrund berücksichtigen und damit feinfühlig umgehen. Das ist sehr wichtig. Zum Beispiel, wenn Muslime den Fastenmonat Ramadan begehen. Die anderen Spieler, die keine Deutschkenntnisse haben, verstehen und sprechen Englisch. Deswegen kann ich ihnen alles vermitteln – besonders auf der emotionalen Ebene, wenn ich sie loben, kritisieren oder einfach anspornen will. Diese emotionale Beziehung spielt im Fußball eine große Rolle.
 

Und was tun Sie, wenn der Spieler weder Deutsch noch Englisch spricht?
Dann brauche ich einen Dolmetscher, der nichts mit der Mannschaft zu tun hat. Manchmal gibt es ja einen Mitspieler, der die Sprache beherrscht. Aber dann kann ich mit dem jeweiligen Spieler nur unter sechs Augen das besprechen, was ich mit ihm eigentlich unter vier Augen besprechen müsste.
 

Die Fußballersprache hat sich sehr gewandelt. Hat sich deswegen auch Ihre Kommunikation mit den Spielern verändert?
Jeder Trainer geht damit unterschiedlich um. Das hängt immer vom Typ ab. Ich habe diese neuen Begriffe wie »Tiefenläufe« oder »falscher Neuner« auch benutzt, aber mit der Zeit gemerkt, dass es für meinen Beruf viel wichtiger ist, dass ich authentisch bleibe. Deswegen verwende ich nach wie vor gern meine alten umgangssprachlichen Begriffe.
 

Zurück zu den ausländischen Spielern. Gibt es Mentalitäten, mit denen man besonders sensibel umgehen muss?
Da gibt es keine Rangliste, weil jeder Mensch anders ist. Brasilianer haben beispielweise eine extrem hohe Affinität zu einem familiären Umfeld. Sie müssen sich in einer Gemeinschaft wohlfühlen, sonst können sie ihre Leistung nicht abrufen. Sie suchen deshalb schnell Kontakt zu anderen Brasilianern, die in der Stadt leben. Als Trainer muss man das unterstützen, damit sie sich nicht isoliert oder ausgeklammert fühlen.
 

Worauf achten Sie, wenn Sie einen ausländischen Spieler verpflichten wollen?
Entscheidend ist für mich immer die Qualität eines Spielers. Doch vor einem Transfer versuche ich, so viele Informationen wie möglich über diesen Spieler zu bekommen. Das bedeutet für mich und für den Verein immer einen hohen Aufwand. Wenn man beispielsweise afrikanische Spieler zum Probetraining einlädt, muss man einen Dolmetscher organisieren, Unterkünfte für die  Begleitpersonen buchen und dafür sorgen, dass dieser Spieler nach dem Training nicht allein in seinem Hotelzimmer hockt, sonst kann ein Transfer scheitern. Man muss sich also intensiv um den Menschen kümmern.


Haben Sie denn dafür die Zeit?
Ich muss mir diese Zeit einfach nehmen. Heute führe ich mit den Spielern häufiger als früher Gespräche, die nichts mit dem Sport zu tun haben, weil ich den Menschen kennenlernen will. Dadurch schafft man Vertrauen, weil die Spieler erkennen, dass ich mich für den Menschen mit seinen Problemen und Schwierigkeiten interessiere. Diese Gespräche führe ich nicht nur mit den ausländischen, sondern mit allen Spielern.
 

Bringt ein Spieler, der Vertrauen zu seinem Trainer hat, mehr Leistung?
Das ist grundsätzlich so. Allerdings gibt es einige Spieler, die haben so viel Selbstbewusstsein, die benötigen mein Vertrauen gar nicht. Andere wiederum muss ich umarmen und ihnen Mut machen, um ihnen dabei zu helfen, Fehler abzustellen.


Sind Sie also mehr Psychologe als Fußballlehrer?
Ein Psychologe bin ich nicht. Das wäre auch der verkehrte Ansatz. Es geht um etwas anders: Als Führungskraft – ob nun Cheftrainer oder Geschäftsführer – muss ich Menschen führen können und für diese  Kompetenz spielt Erfahrung eine riesengroße Rolle.


Gibt es neben Respekt und Vertrauen noch weitere Eigenschaften, die für Sie wichtig sind?
Ganz klar: Ehrlichkeit! Es gibt jedoch Situationen, da erzähle ich einem Spieler nicht die ganze Wahrheit. Das finde ich auch nicht toll, wenn ich jedem Menschen meine offene Meinung sage. Das kann den Respekt und das Vertrauen zerstören. Ich muss als Trainer anders denken: Ich muss positive Ziele setzen und Menschen dazu motivieren, diese zu erreichen. Deswegen baue ich auf die Stärken der Menschen und führe
nicht jedem seine Fehler vor Augen.


Fühlen sich ausländische Spieler eigentlich in Deutschland wohl?
Ich habe afrikanische Spieler kennengelernt, die Angst vor rassistischen Angriffen in Deutschland hatten. Auch das gab es. Aber viele ausländische Spieler fühlen sich in Deutschland sehr wohl. Das hat unterschiedliche Gründe: Einige verdienen in Deutschland mehr Geld als in ihrer Heimat und sind nach drei Jahren finanziell unabhängig, oder sie finden Deutschland einfach gut, weil die Lebensqualität
hier sehr hoch ist. Entscheidend ist immer, ob sich ein Spieler integrieren lassen will. Für eine Mannschaft ist das jedenfalls kein Thema, ob einer Ausländer oder Deutscher ist. Das ist auch gut so.

 

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