Suche:

Schließen

News

Retter aus Polen

Piening Personal | 09.10.2017

Ohne Windräder wäre die Energiewende in Deutschland undenkbar. Es werden immer mehr, sie werden immer größer, sie werden immer leistungsfähiger. Gute Zeiten für die Branche. Aber was tun, wenn Fachkräfte fehlen? 

Rund um Büren bei Paderborn ist es still und grün. Und wie fast überall in der Republik drehen sich auch hier die Windräder und erzeugen Strom. Manchmal, wenn Manfred Baier über die sanften  Hügel der Region fährt, sieht er die  geflügelten Giganten mit gemischten  Gefühlen.

Manfred Baier ist Maschinenbautechniker. Er ist aber auch Qualitätsmanager, Personal- und Schichtplaner sowie für Sicherheit und Ausbildung zuständig. »Man macht ein bisschen alles«, sagt der 50-Jährige und man merkt, dass er das eigentlich gut findet. Der Mann mit den vielfältigen Aufgaben arbeitet bei IBK-Fibertec. »90 bis 95 Prozent von dem, was rot-weiß ist und in den Himmel ragt, kommt aus dieser Halle hier«, sagt Baier, der gerade eine Werkhalle betritt, wo sich eine 22 Meter lange grüne Röhre dreht. Drei Männer hantieren mit Flüssigkeiten und Glasfasermatten an dem langen Ungetüm.

Weltspitze, aber saisonabhängig

IBK-Fibertec ist Weltmarktführer für Antennenträger und Mobilfunkmasten aus »Glasfaserverstärktem Kunststoff« (GFK). Das grüne Ding, das sich in der Werkhalle in Büren dreht, ist ein Antennenträger, der in der darauffolgenden Woche nach Österreich transportiert wird. Aber noch ist er nicht fertig, noch wächst er Schicht um Schicht, beziehungsweise werden Glasfasern und Glasfasermatten um einen Dorn gewickelt, der, wenn der Träger fertig ist, abgezogen wird. Die Antennenträger des familienge-führten Unternehmens sind auf der ganzen Welt zu finden: in China und Brasilien, in Portugal, der Türkei, Schweden, Norwegen und natürlich in Deutschland. Dort krönen sie zum Beispiel den Berliner Alex, die Funktürme in München, Dortmund und Frankfurt oder trotzen Wind und Wetter auf dem Wendelstein in den Alpen und auf dem Brocken im Harz.

Wer Weltmarktführer ist, macht vieles richtig. Ein Garant für Wachstum und wirtschaftlichen Aufschwung ist dies aber nicht, denn der Markt für Antennenträger ist überschaubar und saisonal schwankend. Also haben sich die Entwickler des Unternehmens aus Nordrhein-Westfalen überlegt, was sie noch so im großen Format erfolgreich aus Faserverbundstoffen wickeln können: Mobilfunkmasten, Druckbehälter und Rohre, Schornsteine und GFK-Sonderbauteile stehen auf der Produktliste. Vor wenigen Jahren ist ein weiteres Feld hinzugekommen – Windräder. Genauer gesagt handelt es sich um Anschlussinnenblätter für Rotorblätter. Diese rund zwölf Meter langen Anschlussstücke werden zwischen der Nabe und dem eigentlichen Flügelblatt montiert.

Ins neue Marktsegment kamen die Bürener eher zufällig. Nachdem sie für Enercon mehrere Prototypen angefertigt hatten, wurden sie vom deutschen Marktführer für Windenergieanlagen gleich mit der Produktion weiterer Anschlussinnenblätter beauftragt.  

»Der Markt boomt«, erklärt Baier. Das ist gut für einen Hersteller wie IBK-Fibertec, der so in einer jungen Branche Fuß fassen kann. Der Erfolg hat aber auch eine Kehrseite und die zeigte sich erst, als im Industriegebiet von Büren eine zusätzliche Halle angemietet wurde und weitere Mitarbeiter eingestellt werden sollten. »Seit über einem Jahr haben wir bei der Arbeitsagentur Stellen ausgeschrieben, die immer noch nicht bedient wurden.« Woher also sollten die dringend benötigten zusätzlichen Fachkräfte kommen?

Auftragsspitzen managen

Baier, der vor seiner Zeit bei IBK-Fibertec Disponent beim Personaldienstleister Piening war, nahm Kontakt zu seinen ehemaligen Kollegen auf. Da es auf dem deutschen Markt praktisch keine Facharbeiter mehr mit GFK-Kenntnissen gab, streckte Piening  seine Fühler in Richtung Polen aus.

Mit Erfolg: Mittlerweile helfen 14 Mitarbeiter aus dem östlichen Nachbarland, damit das Unternehmen seine Auftragsspitzen managen kann. Marcin, Andrzej, Lukasz, Krzysztof und die anderen Polen sind voll in die Arbeitsabläufe integriert und fühlen sich nicht als Arbeiter zweiter Klasse, was sicherlich auch am guten Lohnniveau liegt. »Wir sind deutlich über dem Mindestlohn«, sagt Baier und ist sehr froh über die Retter aus Polen.

Bislang hat er nur gute Erfahrungen mit den EU-Kräften gemacht: »Die beherrschten zwar das Wickeln der Glasfasermatten noch nicht, aber den Umgang mit dem GFK- Material. Wenn wir einen deutschen Industriemechaniker einstellen, müssen wir ihm nicht nur das Wickeln beibringen, wir müssen ihn lehren, wie die  Maschinen funktionieren und Harz und Härter reagieren, da kommt sehr viel auf einmal.«

Auch sprachlich funktioniert das Konstrukt. Viele der Polen sprechen Deutsch, andere Englisch. Und weil sie mit der Arbeit und den Bedingungen zufrieden sind, kann sich Baier mittlerweile auch dank  der Mund-zu-Mund-Propaganda über weitere Bewerber freuen.

Der Wind kann also weiter in die Auftragsbücher blasen und die Energiewende trotz Flaute auf dem deutschen Fachkräftemarkt weiter Fahrt aufnehmen. 

Standorte

Mehr als 70 Standorte deutschlandweit, Sie finden uns auch in Ihrer Nähe.

Einblicke

Der Weg vom Familienunternehmen zu einem der größten Personaldienstleister Deutschlands.

Diese Website verwendet Cookies. Wenn Sie weiterhin auf dieser Website bleiben, erteilen Sie damit Ihr Einverständnis zur Verwendung von Cookies. Weitere Informationen.