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Und plötzlich bist du Chef

Piening Personal | 05.10.2018

Immer häuger arbeiten Mitarbeiter in selbstorganisierten Projektteams zusammen. Der Projektleiter wird damit zur Führungskraft auf Zeit ohne disziplinarische Macht. Hieraus können sich Probleme ergeben, aber auch viele Vorteile für jeden Einzelnen.

Wer als Projektleiter arbeitet, hat in der Regel ein kleines Team an seiner Seite, um das Projekt umzusetzen. Von jetzt auf gleich stehen Mitarbeiter dann vor der Herausforderung, zum einen das Projekt zum Erfolg zu führen, zum anderen aber auch das Team zu leiten. Führen ohne Führungskraft zu sein, ist ein zunehmendes Phänomen der neuen Arbeitswelt.

»Arbeit befindet sich in einem weltweiten Wandel«, erklärt Dr. James Lee, Account Improvement & Senior Service Manager bei der QSC AG, Köln. »Die Zeiten, in denen Chefs ihren Mitarbeitern gesagt haben, wann sie was machen müssen, sind vorbei. Eigenverantwortung ist gefragt und der Trend geht immer mehr zu selbstorganisierten Teams.« Laut Lee führt das zu Produktivitätssteigerungen, agilerem und effektiverem Arbeiten und zu zufriedeneren Mitarbeitern. Allerdings müsse die Projektaufgabe für die Mitarbeiter einen Sinn ergeben und sie müssten die Freiheit haben, die Aufgabe zu gestalten.

»Die Motivation besteht darin, gemeinsam ein Projektziel zu erreichen«, weiß Serhat Küpeli, Leiter der expertplace academy in Köln, die Seminare und Workshops für IT- und HR-Management anbietet. »Die Teamziele motivieren aus unserer Erfahrung mehr als monetäre Anreize. Natürlich ist ein angemessenes Gehaltsniveau Grundvoraussetzung.« Doch was muss eine fachliche Führungskraft eigentlich mitbringen, was ist ihre genaue Aufgabe und was passiert, wenn es Probleme im Team gibt?

Fachliches Bindeglied

Die fachliche Führungsrolle sollte immer der Mitarbeiter mit dem größten Expertenwissen übernehmen. »Im Prinzip sollte eine fachliche Führungskraft das Team gar nicht leiten, sondern lediglich dafür sorgen, dass es sich selbst organisiert und an die Regeln hält«, erklärt James Lee. »Der Projektleiter stellt zudem das Bindeglied zwischen dem Team und dem Kunden bzw. Auftraggeber des Projekts dar.« Zudem muss die fachliche Führungskraft natürlich Organisationsstärke mitbringen sowie Zeitpläne und Budgets im Blick behalten. »Sie sollte alle Hindernisse aus dem Weg räumen, die die Arbeit im Team stören könnten«, erläutert Küpeli. Ein gutes Mittel ist zum Beispiel ein tägliches kurzes Meeting, bei dem jedes Teammitglied erfährt, welche Aufgaben es an dem Tag hat, welche Ziele erreicht werden müssen und welche Hindernisse es gegebenenfalls gibt.

Gesunde Fehlerkultur

Trotzdem kann es auch in Projekt teams zu Problemen kommen. Wenn nicht alle Teammitglieder an einem Strang ziehen, Timings nicht eingehalten werden, das Projektziel verfehlt wird oder die Fachkompetenz nicht ausreicht, stößt die fachliche Führungskraft an ihre Grenzen. Denn ihr fehlen die disziplinarischen Weisungsbefugnisse. »Idealerweise braucht es in solchen Fällen kein disziplinarisches Verfahren«, so Lee. »Das Team sollte sich zusammensetzen und überlegen, wie es die Fehler gemeinsam beheben kann. So können alle voneinander lernen.«

»Die fachliche Führungskraft braucht in diesem Falle die Fähigkeit zur Mediation«, ergänzt Küpeli. »Sie muss alle Beteiligten an einen Tisch bringen und dafür sorgen, dass Lösungen gefunden werden.« Wenn ein Teammitglied nicht die Leistungen erbringt, die von ihm erwartet werden, sollte sich ein Projektleiter die Frage stellen, warum das so ist. Das Team sollte dann gemeinsam überlegen, wie sie den Kollegen unterstützen oder entlasten können, damit er die optimale Leistung erbringen kann.

Coaches statt Chefs

Letztlich stellt sich die Frage, welche Rolle disziplinarische Führungskräfte dann noch einnehmen. »Moderne Führungskräfte verstehen sich mehr als Coaches«, so Lee. »Sie haben in der Regel nicht die Zeit und auch nicht in allen Bereichen die Fachkompetenz. Sie sollen ihren Mitarbeitern helfen, sich zu entwickeln und so eigenständig wie möglich zu arbeiten.« Die Rolle der Führungskraft wandelt sich zum Servant Leadership, also dem dienenden Führer, der seinen Mitarbeitern das optimale Umfeld bereitstellt, um selbstbestimmt zu arbeiten. Das setzt ein großes Maß an Vertrauen in den Mitarbeiter voraus. »Letztlich sollte eine moderne Führungskraft immer davon ausgehen, dass seine Mitarbeiter ihr Bestes geben und fachlich kompetent sind. Und sie sollten bereit sein, auch von ihren Mitarbeitern zu lernen.«

 

DIE EXPERTEN

Dr. James Lee ist Account Improvement & Senior Service Manager bei der QSC AG, Köln. Davor war er neun Jahre als Principal Consultant, Trainer und Interim-Manager bei der expertplace consulting GmbH in Köln tätig.

Serhat Küpeli ist Senior Consultant und Leiter der expertplace academy. Er ist seit über zehn Jahren in den Bereichen Bildung und Consulting tätig. In seiner Funktion verantwortet er die IT-Management-Seminare der expertplace academy. Die expertplace academy in Köln bietet Seminare und Workshops für IT- und HR-Management an.

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