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Zeitarbeitsfirmen verärgert

Piening Personal | 24.07.2017

Nachteile: Die Branche ist unzufrieden mit dem Gesetz zur Arbeitnehmerüberlassung. Kritisiert werden zu hohe Kosten, zu viel Bürokratie und eine größere Unsicherheit bei den Beschäftigten

Die Zeitarbeitsbranche ist unzufrieden mit der Neufassung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes. Seit dem 1. April gilt die Novelle, und es reift auf Seiten der Unternehmen die Erkenntnis, dass höhere Kosten, mehr Bürokratie und verstärkte Unsicherheit auf Seiten der Beschäftigten die Folgen sind. „Probleme ergeben sich vor allem für die Arbeitnehmer selbst“, sagt Louis Coenen, Geschäftsleiter West beim Bielefelder Personaldienstleister Piening. 

Die Zeiten, in denen Leiharbeit oder, wie es die Branche lieber hört, Zeitarbeit als modernes Sklaventum verpönt war, sind eigentlich vorbei. Dennoch hat sich der Gesetzgeber wiederholt zu Änderungen veranlasst gefühlt. Vorwürfen, dass die Lebenssituation von Zeitarbeitern „prekär“ sei, sollte begegnet werden: Bekräftigt wurde nun, dass den Beschäftigten der gleiche Lohn und die gleichen Vergünstigungen zustehen wie den fest angestellten Kollegen beim „Entleiher“ (Equal Pay und Equal Treatment). Zugleich wurde die Höchstüberlassungsdauer auf 18 Monate reduziert. Kürzere Überlassungszeiten werden addiert, sofern nicht mehr als drei Monate zwischen den Einsatzzeiten vergangen sind. Tarifverträge können jedoch Abweichungen ermöglichen. 

„Was machen wir, wenn ein Projekt, für das wir Arbeitskräfte überlassen, zwei oder drei Jahre dauert?“, fragt Melanie Burg, Bielefelder Niederlassungsleiterin des internationalen Ingenieurdienstleisters Brunel. Das Unternehmen setzt weltweit mehr als 10.000 Ingenieure, Techniker, Informatiker und Spezialisten ein. Diese unterstützen Kunden in Technologiebranchen bei anspruchsvollen Aufgaben von Entwicklung und Prototypenbau bis zum Management: „Oft geht es um Projekte mit jahrelanger Dauer“, so Melanie Burg. Die überlassenen Mitarbeiter sind wie branchenüblich unbefristet bei Brunel eingestellt („Wir wollen langfristige Zusammenarbeit“). 

Eine Option wäre es, die Mitarbeiter künftig für drei Monate und einen Tag aus einem Projekt zu nehmen, um sie anschließend dort wieder einzusetzen. Ein kompletter Wechsel wäre eine Alternative: „In jedem Fall macht die Novelle die Einsatzplanung für uns komplizierter“, klagt die Brunel-Managerin. 

Zusätzlicher Aufwand entstehe auch durch die Pflicht zur gleichen Bezahlung: Dafür müssten erst die Vergleichsentgelte beim Kunden ermittelt werden. „Das bedeutet eine bürokratische Belastung und entsprechende Kosten für uns und für die Kunden.“ Bei Verstößen gegen das Gebot gleicher Bezahlung drohen Bußgelder von bis zu 500.000 Euro. Ob die Mitarbeiter durch die Auflagen am Ende tatsächlich besser entlohnt werden, sei zweifelhaft: „Wir haben immer schon marktgerechte Löhne bezahlt“, sagt Burg. 

Die Piening GmbH rechnet durchaus damit, ihren Mitarbeitern nach neunmonatiger Einsatzzeit künftig (inklusive aller Sonderzahlungenund Zuschläge) mehr bezahlen zu müssen als bisher. „Unter dem Strich bedeutet das höhere Kosten für die Kunden“, sagt Louis Coenen. Er befürchtet daher, dass Arbeitskräfte schon nach neun oder – wegen der reduzierten Höchstüberlassungsdauer – spätestens nach 18 Monaten ausgetauscht werden. Das sei ein Hemmnis für längerlaufende Projekte und es schade zugleich den Interessen der Mitarbeiter: „Wir haben eine klare Integrationsfunktion, denn ein Drittel der Zeitarbeiter kommt aus der Arbeitslosigkeit“, sagt Coenen. Der „Klebeeffekt“ (bei fester Übernahme durch den Auftraggeber) könnte dadurch beeinträchtigt werden. 

Coenen kritisiert auch die erhöhte bürokratische Belastung, etwa durch die Auflage, dass vor Arbeitsantritt nun unterschriebene Dokumente zwischen der Zeitarbeitsfirma und ihrem Kunden ausgetauscht und der entsandte Mitarbeiter im Vorfeld konkret benannt werden müssen. Dies seien Hürden für kurzfristige Einsätze: „In Zeiten der Digitalisierung ein klarer Rückschritt“, findet Coenen. 

Neben der erhöhten Unsicherheit für die Arbeitnehmer sieht Coenen in der Gesetzesnovelle auch einen Widerspruch zum geltenden Branchentarifvertrag: „Da ist die Tarifautonomie jetzt komplett ausgehebelt worden.“ 

 

Erschienen am 14. Juli 2017 von Martin Krause, Redakteur in der Wirtschaftsredaktion bei der Neuen Westfälischen

 

 

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